DENKEN

Lach- und Machgeschichten

„Wage zu irren und zu träumen, hoher Sinn liegt oft im kindlichen Spiel.“

Friedrich Schiller

„Wiesbaden knäuelt“

Laternenmasten, Blumenkästen, Straßenpoller oder die Sitzbänke an Bushaltestellen – sie alle wurden im Herbst 2011 mit buntem Selbstgestricktem oder Selbstgehäkeltem verziert. Gestrickte Straßenkunst nach dem Vorbild der „Urban Knitting“-Bewegung, die oft einen durchaus politischen Hintergrund hat, manchmal aber auch schlicht als Verschönerung von Städten initiiert wird.

Hans Reitz brachte die bunten Strick-Graffiti in die Wiesbadener Innenstadt mit dem Ziel, das Umfeld liebevoller und herzlicher zu gestalten. Gestrickt wurde in Schulen, Altersheimen und im Café perfect day.


YY Street – creating a social fiction

„Wie sollen wir die Welt verändern, wenn es uns nicht gelingt, eine einzelne Straße zu verändern?“ Mit der Vision, die Wiesbadener Friedrichstraße zu einem verbindenden Element zu machen und Missstände zu entlarven und zu bekämpfen, engagierte sich circ danach weiter mit verschiedenen Aktionen für einen Ort des Friedens und der Begegnung. "YY", das steht für "what can I do for You and You?", und die Spielstätte „Straße“ bot bereits Raum für weitere provozierende Aktionen:

 

Wolle, Wächter, Wilson-Erben

Wie hält man Kinder und Jugendliche davon ab, Kaugummis einfach auf die Straße zu spucken? Wie schafft man ein Bewusstsein dafür, Zigarettenkippen nicht einfach achtlos wegzuwerfen oder Unterführungen als Mülleimer zu missbrauchen?

Neben der Strickkunst zeigte sich circ verantwortlich für Reinigungsaktionen entlang der Friedrichstraße und für bunt bemalte Kaugummis nach dem Vorbild des Londoner Künstlers Ben Wilson. Sie zeugen seit dem Frühjahr 2012 von einer engagierten und freudigen Aufrufmaßnahme im Sinne der „YY Street“. Die achtlos weggespuckten Kaugummis wurden zur Minileinwand und die Strickobjekte zu Trägern von Weihnachtsgrüßen, Danksagungen und Botschaften der Freude. Bewahrt wurden die Street-Art-Werke von "Wächtern" - kleinen, bunten Figuren, die auf Straßenschildern, Türeingängen und Baustellenpfosten sitzen.


YY 24 – wir Menschen auf der Flucht

Wenn wir morgen Flüchtlinge sind, wohin
flüchten wir?

Eine weitere Kunstaktion, diesmal auf dem Wiesbadener Faulbrunnenplatz, gab im Frühjahr 2013 sowohl Gelegenheit, sich mit dem Thema „Flucht" auseinanderzusetzen, als auch, eine tatsächliche Zuflucht zu finden.

Zwei Original-UNHCR-Flüchtlingszelte, ein Toilettenwagen, Cafétische und
-stühle sowie ein Catering-Mobil boten 24 Tage lang eine Schlaf-, Versorgungs und Informationsstätte für alle Wiesbadener Bürger – auch für die Obdachlosen, die sich gewöhnlich am Faulbrunnenplatz aufhalten.

Am Toilettenwagen machten Fotos auf die hygienischen Bedingungen aufmerksam, unter denen weltweit viele Menschen – nicht nur in Flüchtlingscamps – leben. Die Besucher waren aufgefordert, sich mit einem Kunstwerk an der Gestaltung einer Seitenwand des Platzes zu beteiligen. Diskussionsrunden mit Schülern und Schülerinnen fanden in den Flüchtlingszelten statt.

Am Ende haben uns die Erfahrungen der 24 Tage und Nächte sehr bewegt: Wir alle können zu Flüchtlingen werden – sei es auch nur durch die Flucht in Arbeit, Alkohol oder Konsumrausch ...